Medienwissenschaft
Termin: 
Montag, 2. April 2012 - 14:00

Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum

2st., Mo 12-14, GA 1/153
Gegenstandsmodul: Rundfunk
Systematisches Modul: Mediensysteme

 

Mit der Verfilmung von King Georges VI. Sprech-Problematik in Tom Hoopers THE KING’S SPEECH (GB 2010) wurde erst kürzlich das Augenmerk auf die Rolle der Stimme gelenkt. Dort wird eindrücklich dargestellt, welchen Stellenwert die Fähigkeit zu Sprechen in persönlichen und politischen Zusammenhängen hat und wie zentral und machtbildend das richtige Einsetzen der Stimme sein kann. Nur wer eine Stimme hat, kann auch gehört werden. Dem Radio kommt dabei eine besondere Rolle zu. Mit der Einführung des Massenmediums wurden nicht nur die herkömmlichen ästhetischen Konventionen aufgebrochen, sondern auch kommunikations-politische Mechanismen auf die Probe gestellt und neue Wahrnehmungsformen eingeführt. Das Medium wurde bald genutzt, mittels der technisch übertragenen Stimme zu den Massen vorzudringen und so Macht zu manifestieren und demonstrieren. Prominenteste Beispiele sind Adolf Hitler und Joseph Goebbels. Im Zweiten Weltkrieg gab es jedoch auch Gegenbeispiele wie Thomas Mann, der mit seinen „Reden ans Deutsche Volk“ versuchte, ein politisches und moralisches Gegengewicht zu den nationalsozialistischen Propagandareden zu bilden. Aber auch andere Epochen und politische Zusammenhänge bieten Beispiele, die eine Untersuchung der Funktionen der Stimme lohnenswert machen. Im Rahmen des Seminars soll deshalb die (elektrifizierte) Stimme als Medium in den Mittelpunkt gestellt werden und sowohl kultur- als auch technik- und radiogeschichtlich betrachtet werden. Weiterhin sollen anhand diverser Beispiele aus der Geschichte die verschiedenen Funktionen der an die Massen gerichteten Stimme exemplifiziert werden.